Nur wenige Tage nach der angekündigten Schließung gibt es für die Belegschaft eine neue Perspektive. Big Boost Burger soll zuerst wieder öffnen; PACE, CARFFEE und Time Attack sollen folgen. Der Betrieb wird nach der veröffentlichten Erklärung von Mitarbeitern und Management fortgeführt.

Verantwortung wird breiter getragen

Die Entscheidung ist mehr als eine Kehrtwende um eine bekannte Person. Sie zeigt, dass ein Unternehmen nicht ausschließlich aus seinem prominentesten Gesicht besteht. Werkstatt, Gastronomie, Museum, Verkauf und Organisation werden jeden Tag von zahlreichen Mitarbeitern getragen.

In der Unternehmensankündigung wird die Fortführung ausdrücklich mit Verantwortung gegenüber den Menschen begründet, die täglich zum Erfolg beitragen. Mitarbeiter und Management hätten sich nach intensiver Abstimmung mit Kraemer entschlossen, mehrere Betriebe weiterzuführen.

Gewalt darf nicht relativiert werden. Mitarbeiter dürfen zugleich hoffen, ihre berufliche Grundlage nicht wegen des Verhaltens eines anderen Menschen zu verlieren.

Freude über Arbeitsplätze ist keine Zustimmung zu Gewalt

Die positive Bewertung der Wiedereröffnung bedeutet keine Verteidigung der von Kraemer eingeräumten körperlichen Übergriffe. Diese bleiben klar zu verurteilen und gehören als Hintergrund zur Gesamtlage.

Beides kann unabhängig voneinander bestehen: Konsequenzen für die verantwortliche Person und eine Zukunft für die Menschen, die in den betroffenen Betrieben arbeiten. Wer sich über die Fortführung freut, äußert sich damit zunächst zu Arbeitsplätzen, laufenden Betrieben und wirtschaftlicher Stabilität – nicht automatisch zu sämtlichen Handlungen des bisherigen Unternehmers.

Was die Wiedereröffnung konkret bedeutet

Die Wiederaufnahme mehrerer Betriebe verhindert zumindest vorerst einen vollständigen Stillstand. Sie schafft wieder Aufgaben, Kundenkontakte und Einnahmemöglichkeiten. Auch Lieferanten, Geschäftspartner und das Umfeld der Standorte erhalten dadurch mehr Planungssicherheit.

Die häufig genannte Zahl von rund 80 Mitarbeitern bezieht sich auf die gesamte Firmengruppe. Aus den derzeit öffentlich zugänglichen Angaben geht nicht hervor, wie viele davon in den wiedereröffnenden Betrieben beschäftigt sind oder ob sämtliche Arbeitsverhältnisse unverändert fortgeführt werden. Von „80 endgültig geretteten Arbeitsplätzen“ zu sprechen, wäre deshalb zum jetzigen Zeitpunkt zu weitgehend.

Belegt

  • Mehrere Betriebe sollen wieder öffnen.
  • Mitarbeiter und Management führen den Betrieb weiter.
  • Kraemer soll seine Auszeit fortsetzen und eine Therapie beginnen.
  • In der Firmengruppe arbeiten nach übereinstimmenden Berichten rund 80 Menschen.

Noch offen

  • Status jedes einzelnen Arbeitsplatzes
  • langfristige Struktur der Unternehmensgruppe
  • Fortführung der übrigen Firmen
  • künftige Eigentums- und Leitungsverantwortung

Eine Nachricht über die Belegschaft

Der positive Kern liegt nicht in einer möglichen Rückkehr Kraemers. Nach dem aktuellen Stand zieht er sich aus dem Tagesgeschäft zurück. Die Nachricht liegt vielmehr darin, dass Mitarbeiter und Management Verantwortung übernehmen und versuchen, den wirtschaftlichen Betrieb unabhängig von seiner öffentlichen Person fortzuführen.

Für rund 80 Beschäftigte und ihre Familien ist das noch keine endgültige Garantie. Es ist aber ein wesentlich besseres Signal als die wenige Tage zuvor angekündigte vollständige Schließung.